Die Heimatfreunde haben die Pflegepatenschaft für den Grötzinger Jüdischen Friedhof übernommen. Das kleine Gräberfeld am Liepoldsacker ist in vielerlei Hinsicht ein besonderer Ort. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Friedhof in Betrieb genommen. Vorher mussten die Grötzinger Juden ihre Toten auf dem Jüdischen Friedhof in Bruchsal bestatten. Über 70 Personen jüdischen Glaubens lebten zu diesem Zeitpunkt in Grötzingen. Die erste vor Ort Bestattete war Sara Palm, die 1905 im Alter von 55 Jahren verstorben ist. Die letzte Bestattung fand 1935 statt. Marta Traub starb mit 27 Jahren bei einem Arbeitsunfall. Damals lebten noch 20 Juden im Dorf.
1940 wurden die letzten zehn verbliebenen Juden in das Lager Gurs in Südfrankreich deportiert. Der Friedhof wurde 1943 an die Gemeinde verkauft. Auf den freien Flächen wurde Ackerbau betrieben, die Gräber blieben jedoch unangetastet. Dies wurde im Kaufvertrag festgelegt. Auch die Nationalsozialisten hatten ein Interesse am Erhalt der Grabsteine. So plante das Reichsinstitut für die Geschichte des neuen Deutschlands ein Verzeichnis aller Grabinschriften auf jüdischen Friedhöfen. Als Zweck wurde die „genealogische Erforschung des Judentums und seiner Verbreitung im deutschen Volkskörper“ genannt. Nach dem Ende der NS-Diktatur ging der Friedhof zurück an die Israelitische Kultusgemeinde Baden.
16 Tote ruhen auf dem Jüdischen Friedhof. Die Gräber sind dem jüdischen Bestattungsritus gemäß nach Osten ausgerichtet. Unüblich auf jüdischen Friedhöfen sind die drei Doppelgräber, in denen Ehepaare liegen. Ebenfalls unüblich sind die Grabsteine, auf denen nachträglich die Namen der später Verstorbenen eingraviert wurden. Eigentlich erhält jeder Tote einen eigenen Grabstein. Jüdische Gräber werden nicht aufgegeben, denn die Totenruhe ist unantastbar. Besonders berührt auf dem Friedhof der kleine Grabstein von Hans Julius Nathan, der im Alter von vier Monaten verstorben ist.
Der Friedhof wird von der Ortsverwaltung gereinigt. Zusätzlich haben die Heimatfreunde eine Pflegepatenschaft übernommen. Circa achtmal pro Jahr kehren sie den Friedhof und befreien die Hecke und die Grabsteine von herabgefallenen Ästen. Dabei beachten sie die jüdischen Feiertage und Regeln.
Wir freuen uns über weitere ehrenamtliche Helferinnen und Helfer.
Kontakt: bergerhoff@g-hf.de
Quelle: Koch, Manfred: Das Kulturdenkmal Jüdischer Friedhof in Grötzingen
https://stadtgeschichte.karlsruhe.de/stadtarchiv/blick-in-die-geschichte/ausgaben/blick-115/juedischer-friedhof
Text und Foto: Silke Bergerhoff



