Ölmühle in Grötzingen hatte viel Besuch am Deutschen Mühlentag
Voller Neugierde sind Philipp und Sandra Peter sowie Oliver Tremml mit Silke Ferenac zur Ölmühle an der Pfinz in Grötzingen gekommen. Anlass war der Deutsche Mühlentag am Pfingstmontag. Harald Schwer, Mitglied der Heimatfreunde und des Arbeitskreises Ölmühle, erklärt den zahlreichen Anwesenden alles rund um die Ölmühle. „So wie die Ölmühle jetzt dasteht, gibt es deutschlandweit keine andere mit Hanfreibe, Kollergang und Ölstampfe mehr. Seit 1972 steht sie in Grötzingen.“ Zu verdanken ist dies dem damaligen Bürgermeister Herbert Schweizer.
„Nachdem um 1968 herum bekannt wurde, dass in Diedelsheim bei Bretten eine Mühle abgebrochen werden sollte, erklärten sich die Grötzinger dazu bereit, deren historisch-technische Einrichtung zu bergen, nach Grötzingen zu bringen und dem Publikum öffentlich zugänglich zu machen, um ihnen Zeugnisse geschichtlicher Vergangenheit zu zeigen“, erläutert Schwer.
Blick zurück
Im Jahr 991 habe es vier Mühlen in Grötzingen gegeben, durch Kriegswirren, Überschwemmungen und Brände dann aber keine mehr. „Diese Mühle stammt aus Diedelsheim und war dort 600 Jahre lang in Betrieb“, erläutert Schwer. Sie wurde im Urkundenbuch des Klosters Lorsch schon im Jahre 1372 als einzige Getreidemühle erwähnt, im 18. Jahrhundert zur Ölmühle umgebaut und war bis 1962 in Betrieb.
Schweizers Weitsicht
Seit 2022, seit die Sanierung der Ölmühle von den Heimatfreunden Grötzingen beendet wurde, erklärt Schwer jedes Jahr bei Führungen am Deutschen Mühlentag am Pfingstmontag und am „Tag des Denkmals“ im September die Geschichte und Funktion der Mühle. „So blieb dank dem historischen Interesse und der Weitsicht des damaligen Grötzinger Bürgermeisters Herbert Schweizer, der Heimatfreunde und eines Teils der Grötzinger Bürger, wenigstens die in unseren Tagen bereits zu den großen Seltenheiten zählende Technik der Mühle, wenn auch an anderem Ort, erhalten“, freut er sich. „Diese Mühlen sind heute Kulturdenkmale und zeugen von der hervorragenden Handwerkskunst und technischen Begabung unserer Vorfahren.“
Historisch interessiert
Aufs Publikum schwappt die gute Stimmung über. „Ich komme aus Thüringen und war dort stets beim Mühlentag. Dadurch habe ich mich gefreut, dass es in Grötzingen ein Programm an dem Tag gibt – mit schönem Wetter“, sagt Sandra Peter, die mit ihrem Mann Philipp zur Ölmühle gekommen ist. Beide wohnen jetzt in Karlsruhe und haben über den Veranstaltungskalender der Stadt Karlsruhe von dem Ereignis erfahren. Beide wären interessiert daran, die Mühle einmal live bei der Arbeit zu erleben. Das könnte auch für Schulklassen interessant sein, die eingeladen sind, die Ölmühle zu besuchen.
Silke Ferenac ist ganz begeistert, zu sehen, wie die Mühlen funktioniert haben. Zusammen mit Oliver Tremml besucht sie am Mühlentag immer eine andere Mühle. „Ich finde es sehr interessant, wie die betrieben wurden und gelaufen sind. Die meisten Mühlen sind geschlossen und man kann sie nur nach Anmeldung besuchen. Daher freuen wir uns, dass wir die Ölmühle in Grötzingen besuchen können.“
Durlacher Blatt vom 29.05.2026



